Veröffentlicht Oct 9, 2026 in Videografen

Storyboard erstellen: Vorlage, Anleitung und wann es sich lohnt

Storyboard-Panels mit Bildausschnitt, Kameranotiz und Dauer je Einstellung
Exportlab

Storyboard erstellen: Vorlage, Anleitung und wann es sich lohnt

Ein Storyboard ist die Übersetzung eines Textes in Bilder, bevor gedreht wird. Es klärt, was in jeder Einstellung zu sehen ist, wie die Kamera steht und wie lange es dauert — und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem eine Änderung noch nichts kostet.

Die häufigste Hürde ist nicht das Konzept, sondern der Glaube, man müsse zeichnen können. Muss man nicht. Dieser Beitrag liefert die Vorlage, zeigt was in jedes Panel gehört, und sagt auch, wann sich der Aufwand nicht lohnt.

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Sechs Panels pro Seite, vier Seiten für 24 Einstellungen, Querformat im 16:9-Verhältnis. Unter jedem Panel stehen die vier Felder, die im Schnitt tatsächlich gebraucht werden: Bildinhalt, Einstellungsgröße und Kamera, Ton, Dauer.

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Kein Formular, keine E-Mail-Adresse. Das PDF ist zum Ausdrucken und Zeichnen, die Word-Datei zum Ausfüllen am Rechner — die Panels sind dort eine echte Tabelle, du kannst also Bilder direkt in die Felder ziehen.

Storyboard-Panel mit den vier Feldern Bildinhalt, Einstellung, Ton und Dauer

Was in ein Panel gehört

Ein Panel ist kein Bild mit Bildunterschrift, sondern eine vollständige Anweisung für eine Einstellung. Vier Angaben reichen dafür:

  • Bildinhalt. Wer oder was ist zu sehen, wo im Bild, und was passiert. Bewegungen von Personen oder Kamera zeichnest du als Pfeil ein — das ist die einzige Konvention, die du wirklich brauchst.
  • Einstellungsgröße und Kamera. Totale, Halbnah, Nah, Detail — plus Perspektive und Bewegung: Augenhöhe, Untersicht, Schwenk, Fahrt, statisch.
  • Ton. Dialog, Voiceover, Atmo oder Musik. Nur notieren, wo es die Aufnahme bestimmt.
  • Dauer. Die Angabe, die am häufigsten fehlt und am meisten rettet. Sechs Panels à fünf Sekunden ergeben dreißig Sekunden — wenn der Spot zwanzig lang sein soll, merkst du es hier und nicht im Schnitt.

Die Dauer ist der Grund, warum ein Storyboard bei Werbefilmen Pflicht ist. Ein 30-Sekunden-Spot hat keine Reserve: Jede Einstellung, die eine Sekunde zu lang gedacht ist, verdrängt eine andere.

Zeichnen können ist keine Voraussetzung

Das ist die eigentliche Hürde — und sie ist keine.

Ein Storyboard muss verständlich sein, nicht schön. Strichmännchen, Rechtecke und Pfeile leisten alles, was gebraucht wird: Wo steht wer, wie ist der Ausschnitt, wohin bewegt sich etwas. Niemand bewertet die Zeichnung.

Die praktischen Alternativen zum Zeichnen:

  • Fotos vom Location Scouting. Du warst ohnehin vor Ort — ein Handyfoto in der geplanten Brennweite ist präziser als jede Skizze. Wie du diese Bilder systematisch mitnimmst, steht im Beitrag zum Location Scouting.
  • Referenzbilder. Ein Frame aus einem anderen Film oder ein Bild aus dem Moodboard, mit einer Notiz was daran gemeint ist.
  • Gestellte Handyfotos. Zwei Kollegen, fünf Minuten, sechs Fotos. Für Interview-Setups oft die schnellste Variante.
  • Storyboard-Tools. Es gibt Software mit fertigen Figuren und Kulissen. Sinnvoll bei vielen Panels, Overkill bei sechs.

Wer regelmäßig storyboardet, wird im Zeichnen schnell ausreichend gut. Aber die erste Version darf aussehen wie eine Skizze auf einer Serviette.

Storyboard, Shotlist, Drehplan: wer macht was

Drei Dokumente, die dieselbe Produktion beschreiben und trotzdem verschiedene Fragen beantworten:

DokumentBeantwortetFormVollständigkeit
StoryboardWie sieht die Einstellung aus?Bild plus Notizausgewählte Einstellungen
ShotlistWas wird aufgenommen?Tabellealle Einstellungen
DrehplanWann und wo wird gedreht?Zeitrasteralle Drehblöcke

Der wichtigste Unterschied steht in der letzten Spalte. Die Shotlist ist die vollständige Erfassung — jede Einstellung, die gebraucht wird. Das Storyboard zeichnet nur die Einstellungen, bei denen die Bildidee erklärungsbedürftig ist. Eine Totale vom Gebäude braucht kein Panel. Eine Kamerafahrt, die an einem Detail vorbei auf ein Gesicht zieht, schon.

Wer beide Dokumente vollständig führt, verdoppelt die Arbeit. Das Storyboard ist selektiv, die Shotlist nicht.

So gehst du vor

Der Ablauf in fünf Schritten:

  1. Text durchgehen und Schlüsselmomente markieren. Nicht jeden Satz — die Stellen, an denen sich die Bildidee ändert oder an denen eine Erklärung nötig ist.
  2. Einstellungen festlegen. Pro Schlüsselmoment eine oder mehrere. Achte auf den Wechsel der Einstellungsgrößen: eine Folge aus Totale, Halbnah und Detail trägt, sechs Halbnahe hintereinander nicht.
  3. Skizzieren. Grob, schnell, ohne Radiergummi. Erste Fassung in einem Durchgang.
  4. Notizen ergänzen. Kamera, Ton, Dauer — und die Nummer, die später in der Shotlist wieder auftaucht.
  5. Durchrechnen und kürzen. Dauern addieren. Passt es nicht in die Länge, wird hier gestrichen, nicht am Drehtag.

Schritt fünf ist der, den alle überspringen und der den Aufwand rechtfertigt.

Vom Storyboard zum Animatic

Ein Animatic ist die naheliegende Fortsetzung, und viele kennen den Begriff nicht: Die Panels werden in der Schnittsoftware hintereinandergelegt, jedes mit seiner geplanten Dauer, dazu eine Tonspur mit Sprecher oder Musik.

Das Ergebnis ist ein grober Film aus Standbildern. Er zeigt, was ein Storyboard auf Papier nicht zeigen kann: ob das Timing funktioniert. Ob der Text in die Einstellung passt, ob ein Schnitt zu früh kommt, ob der Spot am Ende hetzt.

Der Aufwand ist gering — die Bilder existieren ja bereits. Bei Werbefilmen und Erklärvideos wird das Animatic oft dem Kunden vorgelegt, bevor gedreht wird. Eine Änderung am Animatic kostet eine Stunde, dieselbe Änderung nach dem Dreh kostet einen Drehtag.

Vom Panel über das Animatic zum Dreh, mit Dauer je Einstellung

Wann du kein Storyboard brauchst

Nicht jede Produktion braucht eins, und das offen zu sagen spart mehr Zeit als jede Vorlage.

Ein Storyboard lohnt sich bei Werbespots mit fester Länge, Erklärvideos und Animationen, aufwendigen Kamerabewegungen, Produktionen mit Kundenabnahme vor dem Dreh, und überall dort, wo Effekte oder Komposition vorher geklärt sein müssen.

Es lohnt sich meistens nicht bei Dokumentarischem und Reportage — du weißt nicht, was passieren wird. Bei Events aus demselben Grund. Bei Interviews, wo zwei oder drei Setups die ganze Bildsprache ausmachen. Und bei Drehs, bei denen die Bildidee bereits im Moodboard geklärt ist und die Shotlist den Rest trägt.

Im Zweifel: Zeichne die drei Einstellungen, bei denen du unsicher bist, und lass den Rest weg. Ein Teil-Storyboard ist legitim.

Wo das Storyboard am Drehtag liegt

Das fertige Storyboard hat zwei Leben. Vor dem Dreh ist es ein Abstimmungsdokument — es geht an Kunde und Team, und die Rückmeldungen darauf sind der Grund, warum es existiert. Am Drehtag ist es Referenz für Kamera und Regie.

Beide Male gilt dasselbe wie für Drehplan und Shotlist: Ein PDF, das am Vorabend per Mail rausging, ist am Set die schwächste Variante. Was gebraucht wird, ist die aktuelle Fassung — dort, wo auch der Rest der Produktion liegt.

In Exportlab hängen Storyboard-Panels am Content-Item in der Drehplanung, verknüpft mit dem Drehblock, in dem die Einstellung entsteht. Am Drehtag sieht die Crew den aktuellen Block mit den zugehörigen Panels. Die Drehplanung ist derzeit in der Beta und wird pro Workspace freigeschaltet.

Ohne Software funktioniert das Prinzip genauso: eine Datei, eine Versionsnummer, und die Panelnummern identisch mit denen der Shotlist.

FAQ: Storyboard erstellen

Was ist ein Storyboard?

Eine Abfolge gezeichneter oder fotografierter Einzelbilder, die zeigt, wie geplante Einstellungen aussehen sollen — mit Notizen zu Kamera, Ton und Dauer. Es übersetzt einen Text in Bilder, bevor gedreht wird.

Wie erstelle ich ein Storyboard?

Text durchgehen und Schlüsselmomente markieren, pro Moment die Einstellungen festlegen, grob skizzieren, Notizen zu Kamera, Ton und Dauer ergänzen, dann die Dauern addieren und kürzen, bis die Länge passt. Für den Rahmen kannst du die Vorlage oben verwenden.

Brauche ich eine Storyboard-Vorlage?

Nötig ist sie nicht — ein Blatt mit sechs Rechtecken tut es auch. Eine Vorlage nimmt dir aber die immer gleichen Felder ab und sorgt dafür, dass Dauer und Kameranotiz nicht vergessen werden. Die Vorlage oben gibt es als PDF zum Ausdrucken und als Word-Datei zum Ausfüllen.

Muss ich zeichnen können für ein Storyboard?

Nein. Strichmännchen, Rechtecke und Pfeile reichen völlig, weil das Storyboard verständlich sein muss und nicht schön. Wer gar nicht zeichnen will, arbeitet mit Handyfotos vom Location Scouting, Referenzbildern oder gestellten Aufnahmen.

Was ist der Unterschied zwischen Storyboard und Shotlist?

Die Shotlist erfasst tabellarisch alle Einstellungen, die gebraucht werden. Das Storyboard zeichnet nur die, bei denen die Bildidee erklärungsbedürftig ist. Die Liste ist vollständig, das Board ist selektiv — beide vollständig zu führen wäre doppelte Arbeit.

Was ist ein Animatic?

Ein Animatic entsteht, indem die Storyboard-Panels in der Schnittsoftware mit ihrer geplanten Dauer hintereinandergelegt und mit Ton unterlegt werden. Das Ergebnis ist ein grober Film aus Standbildern, an dem sich prüfen lässt, ob das Timing funktioniert — bevor gedreht wird.

Wie viele Panels braucht ein Storyboard?

So viele, wie es erklärungsbedürftige Einstellungen gibt. Ein 30-Sekunden-Spot kommt oft mit acht bis zwölf aus. Wer jede Einstellung zeichnet, baut die Shotlist ein zweites Mal.

Fazit

Ein Storyboard erstellen heißt nicht, schöne Bilder zu zeichnen, sondern eine Bildidee überprüfbar zu machen, solange Änderungen noch billig sind. Vier Angaben pro Panel reichen: Bildinhalt, Einstellung und Kamera, Ton, Dauer.

Die zwei Punkte, die den Unterschied machen: Am Ende die Dauern addieren — dort entscheidet sich, ob das Konzept in die Länge passt. Und nur zeichnen, was erklärungsbedürftig ist; die vollständige Erfassung ist die Aufgabe der Shotlist, nicht des Storyboards.

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